mit EVS-Geschäftsführer Holger Schmitt

Einleitung

 

Am 4. November 2025 eröffnete Holger Schmitt, Geschäftsführer des Entsorgungsverbands Saar (EVS), seinen Vortrag im Haus der Union Stiftung mit einer Einladung, das vermeintlich Ungewöhnliche neu zu betrachten: Abwasser als Energiequelle. Er wolle, wie er sagte, „Appetit auf Abwasser“ machen, „aber eigentlich nur im energetischen Sinn“. Unter den Straßen schlummere ein bislang ungenutzter Schatz. Eingeladen hatten die ASKO Europa-Stiftung und die Union Stiftung im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Nachhaltigkeit und Kommunen“.

 

Abwasser als Energiequelle: Potenzial und Ansatz

Der EVS habe sich „von der klassischen Abwasser- und Abfallentsorgung hin eigentlich zu einem Art Kreislauf- und Ressourcenmanager“ entwickelt. Neben Abfallverwertung und Klärgas sei besonders die Wärme aus Abwasser ein zukunftsträchtiger Energieträger. Denn Abwasser ist ganzjährig verfügbar und mit rund 15 °C vergleichsweise warm – eine stabile Quelle, die sich hervorragend für Wärmepumpen eigne.

„Mit dem Einsatz von einem kWh elektrischer Energie“ könne man „bis zu vier kWh an Wärmeenergie erzeugen.“ Heizen und Kühlen seien möglich, doch wirtschaftlich lohne sich das System vor allem für größere Verbraucher in der Nähe eines EVS-Hauptsammlers. „Das Einfamilienhaus anzuschließen“ sei „eigentlich uninteressant.“

 

Technische und wirtschaftliche Voraussetzungen

  • Mindestdurchfluss: etwa 15 Liter pro Sekunde im Trockenwetterfall
  • Leitungsdimension: große Rohrquerschnitte erforderlich
  • Leistungsgröße: wirtschaftlich ab mindestens 100 kW, besser 300 kW Abnahmeleistung
  • Wartung: mögliche Verschmutzung der Wärmetauscher, Wartungsaufwand einplanen
  • Standortfrage: Wärmeentnahme hinter der Kläranlage technisch optimal, scheitert jedoch häufig an der Entfernung zu den Abnehmern

 

Organisatorische Leitplanken und Rollenverständnis

Organisatorisch versteht sich der EVS als Partner der Kommunen, nicht als Energieversorger. „Vorrang für Abwasserreinigung und Gewässerschutz vor der energetischen Nutzung“, so Schmitt, sei oberstes Prinzip. Zudem gebe es „keine Garantie auf unsere Wärme“, etwa bei Sanierungen. Kommunale Vorhaben hätten Vorrang: „das kommunale Interesse gilt vor privatwirtschaftlichem Interesse“.

Der EVS stellt die Quelle bereit, baut aber keine Wärmetauscher ein; Einbau und Betrieb liegen beim Projektträger und sollten für Gebührenzahler kostenneutral bleiben.

 

Praxisbeispiele im Saarland

Praxisbeispiele belegten die Machbarkeit: kleinere Anlagen in Brebach und Limbach, ein Hotelprojekt in St. Ingbert, ein nachhaltiger Neubau in Homburg sowie das „richtungsweisende“ Großprojekt in Illingen, wo im Zuge eines Kanalneubaus ein leistungsstarker Wärmetauscher installiert wurde – ein möglicher Anker für Nahwärme.

 

Schnellprüfung für Kommunen

Für Kommunen empfahl Schmitt eine pragmatische Vorprüfung:

  1. Liegt ein EVS-Hauptsammler mit ausreichendem Durchfluss nahe eines größeren, ganzjährig bedarfsstarken Abnehmers mit Niedertemperatursystemen?
  2. Ist die Trasse kurz und ein Einbaufenster realistisch?

Wenn ja, lohne sich die vertiefte Prüfung gemeinsam mit dem EVS. Denn „wo immer möglich“, so der EVS-Geschäftsführer, „sollte man den Schatz heben“ – im Bewusstsein, dass Klimaschutz und Daseinsvorsorge Hand in Hand gehen.

 

Diskussion und Ausblick

Nach dem Vortrag eröffnete Michael Scholl, Geschäftsführer der Union Stiftung, die Diskussion. Ziel sei es, Wissen über nachhaltige Energien in die kommunalen Gremien zu tragen. Zum Schluss fasste Scholl zusammen, dass die kommunale Familie gemeinsam mit dem EVS künftig weiter daran arbeiten wolle, „Potenziale zu heben“. Die Union Stiftung werde die Reihe „Nachhaltigkeit und Kommunen“ fortsetzen – der nächste Lunchtalk findet am 4. Dezember zum Thema Seltene Erden statt. Mit einem Dank an die ASKO-Europastiftung und einem herzlichen „Glückauf“ endete die Veranstaltung.

 

Weiterführende Informationen

Zum Thema Abwasserwärme beim Entsorgungsverband Saar (EVS): https://www.evs.de/umwelt/forschung-und-entwicklung/abwasserwaerme#:~:text=Abwasser%20weist%20ganzj%C3%A4hrig%20mit%2010,K%C3%BChlen%20von%20Geb%C3%A4uden%20genutzt%20werden

 

 

 

 

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