Attraktivität der Innenstädte: So schaffen wir die Zukunft der Innenstadt

 

Pandemie und Inflation haben auf unsere Innenstädte gewirkt wie Meteoriteneinschläge. Doch in der Krise steckt die Chance zum radikalen Umbau. Es muss endlich mehr menscheln in den Innenstädten, die großen Einkaufsmeilen brauchen wir dafür nicht unbedingt. Wie der Umbau gelingen kann.

 

Der Niedergang der Kaufhäuser ist nicht aufzuhalten. Galeria Karstadt Kaufhof – schon der neu geschaffene Name zeigt die ganze Geschichte des Scheiterns über viele Jahre hinweg. Sanierungskonzepte hin oder her. Wenn wir ehrlich sind, war das alles auch in den 90er Jahren schon absehbar. Damals gewannen die Einkaufszentren an den Rändern der Stadt an Beliebtheit. Heute wissen wir, dass es ein Fehler war, nicht weiter konsequent auf den Kern der Innenstädte zu setzen. Aber gleichzeitig konnte sich auf diesem Wege die Bevölkerung im Umland der Städte den umständlichen Weg in die volle Großstadt samt immer teurer werdenden Parkgebühren sparen und am Rand der Stadt bequem einkaufen.

 

Was Handel und auch Kommunen aber auch verschlafen haben: Schon seit den 90er Jahren erleben wir eine Spezialisierung im Markt. Was früher im großen Kaufhaus zu finden war, gab es nun viel spezieller in Sportgeschäften und Elektronikmärkten. Die Markenhersteller bauten ihre eigenen kleineren Geschäfte auf. Schöpferische Zerstörung nennen Fachleute solche Prozesse. Und natürlich: Dann kam auch noch das Internet dazu. Zur Ehrverteidigung muss man jedoch sagen: Was in den 70er Jahren die Katalog-Warensendungen über Quelle und Co mit immerhin rund acht Prozent Marktanteil waren übernahm nun das Internet. Inzwischen übrigens mit einem Marktanteil von 12 Prozent.

 

Der größere Sargnagel jedoch: Die Beliebigkeit der Innenstädte. Überall die gleichen Ketten, überall die gleichen Angebote. Das Glitzerparadies, das einige von uns vielleicht noch aus Kindheitstagen in Erinnerung haben, als es ein Erlebnis war am Samstag mit den Eltern in die Einkaufsmeilen der Großstadt zu fahren – es ist nur noch Nostalgie. Emotionale Freude kommt heute beim Besuch der Einheits-Einkaufsmeilen kaum noch auf. Und genau da liegt das eigentliche Problem.

Shopping muss wieder zum sozialen Ereignis werden. Dinge bieten, die das Internet eben nicht kann. Innenstädte müssen wieder unterscheidbar werden, eine Geschichte zu erzählen haben, Storytelling betreiben, emotional ansprechen. Produkte in den Warenkorb legen und bezahlen – dafür braucht es keine Innenstadt.

 

Die Stadt Wassenberg, eine 19.000 Einwohner-Kommune an der niederländischen Grenze hat das vorbildlich umgesetzt. Leitgedanke beim Umbau der Innenstadt dort war: „Wir wollen hier nichts anbieten, was es nicht auch woanders im Umkreis von 20 Kilometern gibt“. Mit dieser Idee hat sich die Stadt mit Händlern, Gastronomen, Dienstleistern, Landwirten, Handwerkern und Künstlern aus dem Ort zusammengesetzt. Entstanden sind neben neuen, vor allem kleinen Geschäften auch eine Reihe von Events, wie etwa ein großes Spargelfest. Die Besucher der Events sollten zu Dauerkunden werden, weil sie hier finden, was es im Umkreis eben nicht gibt: Feiern, trinken, gutes Essen und Beisammensein.

 

Wassenburg ist übrigens ein gutes Beispiel dafür, dass solche Umwandlungsprozesse in kleinen Kommunen sehr viel einfacher sind als in der Großstadt. Und genau da liegt auch die Chance der Kleinstädte, der ländlichen Räume. Hier kann es gelingen, auch kleine regionale Händler und Handwerker in die Innenstadt zu locken. Den Pullover von Schafen, die vor den Toren der Stadt leben, gibt es eben nur hier, im ländlichen Raum. Das kann keine Metropole der Welt bieten, auch nicht das Internet.

Nach Corona sehen wir nun offen, dass Es nicht mehr ausreicht, sterbende Strukturen in den Innenstädten mit viel Geld künstlich am Leben zu erhalten. Handel heißt Wandel – und dieser Wandel muss nun passieren. Nach Corona wird das Kleine, Überschaubare wichtiger: das Nachbarschaftliche, das Regionale.  Gerade weil wir nun dazu gezwungen sind, können wir experimentieren. Viel zu verlieren haben wir in unseren meist öden Innenstädten ohnehin nicht. Denken wir also in einer globalisierten Welt bewusst lokal und regional. Die Einkaufsstadt ist tot, es lebe die Erlebnisstadt!

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